re:publica11 – Moment für die Ewigkeit oder die Sache mit dem a
Ach es regen sich so Viele über die re:publica11 auf, da schließ ich mich lieber den ratlosen Lesern von Kästner an – wo bleibt das Positive? Denn das gab es zu Genüge, und das sollte man auch entsprechend: feiern. Der für mich magischste Moment trug sich zu in einem sehr kleinen Workshop von Steffen Hoellein über Design. Sein Vortrag war schon allein deshalb ungewöhnlich, weil er eben vor allem Eines tat: Feiern, und zwar die Grundsätze der klassischen Moderne. Er stellte viele Designs vor die er persönlich liebt, und zeichnete plausibel nach warum. Das Ganze in einem kompromisslos subjektiven Stil, gesättigt durch 20 Jahre Designerfahrung. Dieser Mensch lebt Design, auf eine wunderbar verstrahlt-liebevolle Weise.
Eine Sonderrolle kam dabei der Schrift “Helvetica” aus dem Jahr 1957 zu. Ein hübsches Zitat aus dem gleichnamigen Film zum 50-jährigen: “wenn Ihr keine Designer seid und trotzdem ein Plakat machen müsst – nehme Helvetica bold, sieht immer gut aus”. Steffen zeigte auch den bekannten Vergleich zur schwachen Nachahmung Arial – charakteristisch für Helvetica sind etwa die vielen horizontalen und vertikalenLinien:
Insbesondere das kleine “a” gilt als Meisterweg der Typographie mit seinen vielen Positiv-/Negativformen – Nichts muss hinzugefügt werden, Nichts kann entfallen.
Steffen zeigte nun also eine ganze Reihe an Designs und Plakaten, die prominent Helvetica einsetzen. Die letzte davon: das Filmplakat von 2001: a Space Odyssey:
“und hier, 2001, natürlich auch Helvetica.“
Direkt, aus der zweiten Reihen, in höflichem aber bestimmten Tonfall:
“…das ist nicht Helvetica.“
Stille. Ungläubiges Staunen im Raum, alle Augen wandern über das Plakat. Dann Steffen, zwischen Irritation und Bewunderung oszillierend:
“ey richtig, wie hastn du das so schnell gesehen?“
“na an dem a!“
Tosender Beifall vom Plenum, am lautesten von Steffen selbst. In diesem Moment ist völlig klar, dass es eben keine Schadenfreude ist, sondern wir im Plenum einem ganz persönlichen Moment beiwohnen: der Vortrag hat das Plenum wirklich mitgenommen, und das Gelernte wurde sogleich angewandt. Viele der Teilnehmer hatten nach dem Vortrag ein etwas entrücktes Lächeln aufgesetzt – man glaubte wieder etwas zuversichtlicher an das Gute und Schöne.
Und es gab noch einige andere Panels, die für mich solch besondere Momente erzeugen konnten – zumeist jedoch sehr schwach besucht und abseits der großen Ströme. Die Schrift auf dem 2001 Plakat ist übrigens Futura – Kommentar von Steffen: “is auch Klasse!“



