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Archivierungsbeitrag: Memes, Shistorms und das digitale Vergessen.

Aug. 26th | Von 1 Kommentar

Das folgende Konzept hatten @wortkomplex und @rstockm für die Republica 12 eingereicht und warteten freudig darauf, eine sehr launige Session abzuhalten – 2012 würde man sagen: Mit viel Flausch und viel Glitter. Auch wenn es nicht angenommen wurde, sind wir immer noch überzeugt von der Notwenigkeit einer kollaborativen Geschichtsschreibung des Internets und werden das weiter im Auge behalten. Damit es jedoch für die Nachwelt dokumentiert wird (Vorsicht: Rekursion) hier unser Beschreibungstext zur Session. Dieser sollte als Anregung zur Debatte und erste Idee verstanden werden, nicht als abschließendes Konzept. Wir freuen uns über weitere Anregungen und sich vielleicht entwickelnde Initiativen. Wenn Zeit bleibt, stellen wir auch noch das vorläufig entwickelte Datenmodell vor. 

Memeparade: Warum das deutschsprachige Internet seine eigene Geschichtsschreibung verdient und was wir alle dafür tun müssen.

Woher kam noch mal die Formulierung „und alle so: yeah“? Die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch entsinnen. Aber wie hieß eigentlich das zugehörige Hashtag? Und wer hat es auf Twitter zum ersten Mal verwendet? Wonach schmeckte Pril im Frühling letzten Jahres und was hatten – ästhetisch betrachtet – Zensursula und Stasi 2.0 gemeinsam? Was war dieses Ding, dieser.. äh… Blumenkübel? Mit Google bekommt man diese Frage noch einigermaßen beantwortet – wenn man weiß, wonach man suchen muss. Viel schwieriger wird es schon nach nur ein paar Jahren mehr: Was war das 2006 – lange vor der Lobofone-Geschichte – noch Mal mit „Frische Texte für frische Autos“? Was hatten Ix, Dahlmann und MCWinkel damit eigentlich zu schaffen? Und wer kommentierte damals schon, ohne zu wissen wie nachhaltig er sich tatsächlich damit beschäftigen würde: „[…] das Internet vergisst nie, aber das Internet vergisst auch am schnellsten. Erinnerung und Internet. Das ist eine unglaublich interessante Fragestellung. Vielleicht schreibe ich mal was dazu.“

Und wie erkläre ich das alles überhaupt meinen Eltern?

Unsere Erinnerungen und Wissen um Meme, Shitstorms, Kampagnen, Trollattacken, epicfails, Kontrollverluste und ftws sind flüchtig und fragmentiert – über dutzende Blogs, urban dictionaries, Podcasts und zuweilen auch Wikipedia-Artikel verteilt.

Was wir brauchen, ist eine eigene Geschichtsschreibung: was unser Netz wann bewegt hat, wer die Akteure waren, welche Diskurse sich wo zwischen wem entsponnen haben. Nicht nur die Digital-Archivare werden es uns dereinst danken, sondern selbstverständlich auch unsere Kindeskinder. Sollten sich auch Journalisten oder gar Politiker in das Archiv verirren: warum nicht.

Doch seien wir realistisch: Die Exkludisten werden es nie zulassen, den unendlichen Strom an aus heutiger Perspektive zweifelhaft relevantem Wissen in die Wikipedia zu schreiben. Und auch der Spaß würde dabei zu kurz kommen. Wir stellen daher ein unabhängiges und dezentrales Wiki-Konzept vor, durch das sich in Kombination von Definitionen, Glossar, Zeitleiste und Referenz-/Quellenarchiv eine zentrale Anlaufstelle des Netzgeistes kristallisiert – und wir alle schreiben mit.

Nachsatz: Idee der Session war es, den Besucherinnen und Besuchern nicht nur einen kleinen Meme- und Shitstorm-Streifzug zu geben sondern auch die Möglichkeit, die Geschichtsschreibung des deutschsprachigen Internets in Anlehnung an internationale Dienste wie Know your Meme mitzugestalten. Das vorgestellte Konzept sollte offen diskutiert werden, ebenso die technische Infrastruktur (reicht etwa ein banales Pad, muss es ein Wiki sein, was für Alternativen könnten sich eignen?), das Redaktionsmodell und Absicherungen gegenüber (Eigen-)PR und Vandalismus. Im Nachgang des Workshops sollte sich idealerweise eine erste „Redaktion“ zusammenfinden.

Eine Mindmap der Strategie/Entitäten