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Tag Archives: Apple

 

Der Weihnachtsmann ist tot – RIP Steve Jobs

Okt. 6th | Von 4 Kommentare

In diesen Minuten, Stunden und Tagen wird jede Menge Sinnvolles über Steve Jobs geschrieben – Würdigung seiner Innovationskraft, seines inneren Kompasses, die Stanford-Rede. Es gibt aber noch eine naive, und sehr egoistische Lesart des heutigen Tages: der Weihnachtsmann ist gestorben.

Die universelle Kraft von Weihnachten liegt im Wunder. In der Kindheit ist dies weniger ein mystisches Wunder denn ein materielles – von irgendwo her kommen Geschenke, die man sich dringend gewünscht hat, andere die einen überraschen und deren Nutzen man sich erst erarbeiten muss, und auch einige über die man sich ärgert oder die man unnütz findet. Spätestens in der Pubertät löst sich dieses Wunder nachhaltig – und mindestens bis zur ersten Liebe unwiderruflich – in schieren Materialismus auf.

In diese Lücke traten die Keynotes von Apple für mich und viele meiner Generation (*1970+). Man wartet auf einen großen Tag, konnte spekulieren, was es geben würde. Man hat sich gemeinsam versammelt – nicht mehr vor dem Weihnachtsbaum, sondern hinter einer Riege von MacBooks auf denen man Live-Blogs oder, bestenfalls, dem Live-Stream folgen konnte. Paket für Paket wurde von Steve ausgepackt, im Falle des ersten MacBook Air ganz materiell und physisch. Gerade das Warten – auf die Keynote, auf die Produkte selbst, die oft nicht direkt erhältlich waren – führte in unserer „alles direkt und sofort verfügbar“ Gesellschaft eine sehr analoge, anachronistische Note der Ungeduld und Sehnsucht ein.

Heute ist ein Stück Lebensqualität gestorben – Keynotes mit Steve haben das Leben vieler Menschen stärker strukturiert als die ehemals so wichtigen christlichen Feiertage. Man kann dies anprangern, es ändert nichts an der Tatsache an sich. Natürlich kann man hoffen, dass seine Nachfolger den Spirit noch lange am Leben erhalten werden, aber machen wir uns nichts vor:

Heute ist, zum zweiten mal in unserem Leben, der Weihnachtsmann von uns gegangen.

 


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Oh no.

Okt. 6th | Von 0 Kommentare

Apple nimmt Abschied

Apple erinnert an Steve Jobs.

Vielleicht die kürzeste und treffendste Beschreibung, die uns im kommenden Zirkus der vorbereiteten Mediennachrufe begegnen wird… ganz abgesehen von Wortspielen um „One last thing“ oder „One more thing no more“.

Ich zerdrücke derweil ein paar Tränchen. Und halte es ganz schlicht mit Richard Gutjahr: „I salute you, Steve Jobs“


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Die visuelle Macht der Schlange

Mrz. 27th | Von 0 Kommentare

Zeitgleich ging es am Freitag los: die Verteilung des iPad2 über die Ladentheken der diversen Stores und das Klicken auf den „Bestellen“-Knopf. Zumindest in Deutschland. Ebenso wie wir das Teil* hierzulande erst später anbeten in den Händen halten können, ist dieses Posting etwas spät dran. Tut aber dem Inhalt nichts.

Dass Apple die  iPads nicht schon früher vorbestellbar gemacht hat, war ein ziemlich kluger Schachzug. Im mobileMacs-Podcast, dessen letzte Folgen auch erst die Tage ihren Weg in meine Ohren fanden, fragten sich die Jungs, wieso Apple das denn nun so handhabe. Immerhin sei es ärgerlich, nicht sofort vorbestellen zu können sondern selbst damit bis zum offiziellen Verkaufsstart warten zu müssen. Die Antwort liefert die visuelle Macht der Schlange. Die Inszenierung an Verkaufsstart-Tagen ist für Apple ein ebenso wichtiges Marketinginstrument wie die Keynotes von unser aller Steve himself. Das wird sehr deutlich, schaut man sich noch einmal das Video des ersten überhaupt verkauften iPads an, das an Richard Gutjahr ging: Emotionale Aufgeladenheit, der Store-Staff klatscht und jubelt, die Schlange hinter Gutjahr wartet in angespannter Vorfreude.

Natürlich ist es nicht schön, in einer Schlange zu stehen. Natürlich ist es noch weniger schön, dafür vielleicht noch die Nacht zuvor oder gleich mehrere Nächte vor Stores zu verbringen. Natürlich ist es viel bequemer, zu Hause auf einen Button zu klicken und pünktlich zum Start dem DHL-Mann die Tür aufzumachen. Aber natürlich würde dadurch auch die Möglichkeit zur Inszenierung verloren gehen. Apple müsste auf kraftvolle Bilder verzichten.

Das haben sie bewusst vermieden. Die Taktik geht auf: Ein Blick in die Schlagzeilen und die tagesaktuelle iPad-Berichterstattung genügt**, um das zu bestätigen. Die „Maßnahme“ bringt Apple kostenlos Werbung, die einen fiktiven Gegenwert von mehreren Millionen haben dürfte. Ein paar verärgerte Kunden, die trotz langer Wartezeiten nicht mehr an „ihr“ iPad kamen, sind leicht zu verkraften. Zumal sie sich vermutlich gleich auf dem iPhone trotzdem eines geordert haben – oder im schlimmsten Fall noch bis zu Hause damit warten mussten. Auch die Kritiker der Methode werden schön brav um 17 Uhr geordert haben. Apple kommt damit durch. Erschreckend?

*die Macianer mögen mir verzeihen…

**Beispielsweise seien hier aufgeführt: Der Irrsinn beim Kauf von Apples iPad 2 – Welt Online, Apple-Fans warten im Centro stundenlang auf Verkaufsbeginn des neuen iPad 2 – DerWesteniPad 2: Lange Schlangen zum Verkaufsstart – chip.de, iPad 2-Verkaufsstart: Lange Schlangen vor den Stores – Horizont.netiPad 2: Unboxing und Berichte aus der Schlange – macnews.de und viele mehr…