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Man will dabei gewesen sein. Der Kontrollverlust nach Seemann: drei Gründe, warum man sein Buchprojekt unterstützen sollte

Jan. 30th | Von 8 Kommentare

1) Der Sweet Spot für Theoriebildung

In meinem früheren Leben als Medien- und Kommunikationswissenschaftler habe ich mich regelmäßig gefragt, warum mich manche Theorien mehr ansprechen als andere, und was genau die Erfolgsfaktoren für eine wissenschaftliche Theorie innerhalb ihrer Fachdisziplin sind. Warum – zumindest gefühlt – die letzte relevante Theorie der Kommunikationswissenschaft 30 Jahre alt ist. Warum es gerade Vertretern meiner Generation (frühe 70er) scheinbar so schwer fällt, neue Theorieansätze zu bilden die eine Breitenwirkung entfalten und über die reine Ausdifferenzierung des ewig Bekannten hinausgehen.

Ein nahe liegender Ansatz: der Komplexitätsgrad einer Theorie hat direkt Einfluss auf ihre Verbreitung. Ein grobes Raster ist schnell gefunden:

Unterkomplex

Durch das Spielen von Egoshootern wird man zum Amokläufer. Das Internet macht uns alle dumm. Früher war alles besser. Hier gilt: Theorien, die sich in einen Merksatz oder in die Überschrift eines Boulevard-Artikels pressen lassen, ist zu misstrauen. Sie transportieren Meinungen, Stereotype und Vorurteile, jedoch in den seltensten Fällen wissenschaftlich verwertbare, geschweige denn gesicherte Erkenntnis.

Überkomplex

Die Systemtheorie nach Luhmann. Die Theorie des kommunikativen Handelns nach Habermas. Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule. Diese Theorien haben gemeinsam, dass ein profundes Studium ihrer Aussagen und Rahmenbedingungen notwendig ist um die wirkliche Relevanz auch nur zu erahnen. Sie sind selten aus der Luft gegriffen, aber alles andere als zugänglich. Das schmälert nicht ihre Relevanz.

Mittelkomplex

Die Theorie zur Vermeidung kongnitiver Dissonanz nach Festinger. Die Schweigespirale von Noelle-Neumann. Der Last Minute Swing nach Lazarsfeld. Diese Theorien besetzen einen sweet spot: man kann sie schlüssig in wenigen Absätzen skizzieren, oder auch mal auf einer Party zum besten geben. Sie haben immer einen plausiblen Grundkern, der anschlussfähig ist an eigene Erfahrungen (nach einem Kauf sucht man aktiv nach Kundenrezensionen, die die eigene Kaufentscheidung unterstützen und ignoriert eher kritische Kommentare -> Vermeidung kognitiver Dissonanz) und setzen darauf überraschende Facetten und Details. Mit diesen Theorien beschäftigt man sich gerne, sie erklären nicht alle Phänomene dieser Welt – geben aber im Zweifel Legionen anderer Wissenschaftler Impulse in neue Richtungen. Der unumstrittene Großmeister dieser Disziplin ist Paul Lazarsfeld: allein in „The People’s Choice“ formuliert er auf 200 Seiten auf Grundlage einer einzigen Studie gefühlt 80% aller relevanter Theorien der modernen Medien(Wirkungsforschung).

Ich glaube, dass die Kern-Theorie des Kontrollverlustes mit ihren 3 Axiomen in ebendiese Kategorie der mittelkomplexen Theorien fällt. Dort hat es sehr, sehr lange Zeit nichts Griffiges mehr gegeben, schon gar nicht in Bezug auf Daten- oder Informationswissenschaftliche Theorien.

2) Daten sind Naturgesetzen unterworfen

In einem bold move, wie man ihn nicht alle Tage sieht, postuliert Seemann einigermaßen nassforsch: es existieren Naturgesetze für Daten und es ist an der Zeit sie zu beschreiben – Äpfel sind schon genug gefallen. Ebenso wenig, wie man die Gravitation ignorieren kann, kann man die drei Naturgesetze von Daten ignorieren. Man kann sich dagegen stemmen, aber ebenso wie gegen Gravitation ist dies ein teurer und letztlich aussichtsloser Kampf. Dass die drei einzelnen Axiome im Zusammenspiel auch noch eine Quasi-naturwissenschaftliche Formel bilden – vergleichbar mit Energie, die sich proportional zur Masse und dem Quadrat der Geschwindigkeit zusammensetzt – verstärkt noch diesen Eindruck. Der Ansatz im Stil von Naturgesetzen zu argumentieren bringt einen weiteren Vorteil: die Thesen werden einer voreiligen, normativen Vereinnahmung entzogen. Gravitation an sich ist weder gut noch schlecht – und kann gleichermaßen für ballistische Geschosse im Krieg genutzt werden wie als grüner Energieträger in Wasserkraftwerken. Ob der Kontrollverlust als Instrument der Kontrolle oder Befreiung begriffen wird ist ebenso offen. Im Ergebnis mögen die drei Treiber des Kontrollverlustes unterkomplex, falsch oder überbewertet sein – die Theoriekonstruktion allein entfaltet eine Eleganz, deren Charme und Anschlussfähigkeit man sich nur schwer entziehen kann und die man so lange nicht gesehen hat.

3) Man will dabei gewesen sein

Die Grundgesetze der Daten werden mit breiter Brust formuliert, aber es gibt wenig Anlass daran zu zweifeln, dass sie im Kern plausibel sind. Im Gegenteil: sowohl anekdotische Evidenz, als auch harte Empirie bestätigen Tag um Tag und immer offenkundiger, dass sich die Theorie des Kontrollverlustes als ausgesprochen langlebig erweisen könnte. Die nötige Beachtung innerhalb der Kommunikationswissenschaft fehlt jedoch. Das soll ein Buchprojekt ändern, an dessen Crowdfunding man sich noch für wenige Stunden beteiligen kann.

Ich werde es mir nie verzeihen, dass ich im November 2004 zu verzagt war, die Firefox-Anzeige in der FAZ finanziell zu unterstützen. Dass diese eine Seite heute nicht mit meinem Namen versehen ist, betrachte ich als Moment großen persönlichen Scheiterns. Wie uncool Firefox heutzutage auch  sein mag – damals war es wirklich wichtig. Und durch nebensächliche Debatten (warum gerade in der FAZ?) und Bequemlichkeit (es gab kein PayPal damals, wir hatten ja nichts) habe ich es schlicht verschleppt.

Das soll mir nicht noch einmal passieren. Ich denke die Chancen stehen gut, dass Herr Seemann ein ausgesprochen relevantes Grundlagenwerk dazu abliefern wird, was uns alle in den nächsten Jahrzehnten erwartet. Wir sollten sehr an der Zukunft interessiert sein, ist sie doch der Ort wo wir den Rest unseres Lebens verbringen werden. Man will dabei gewesen sein, wenn diese Zukunft neu gedacht wird.


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  1. Cassandra

    Umm, are you really just giving this info out for nohgtni?


  2. http://www./

    22/04/2010 – 9:25amPues para mi la portada del Marca, con ese aro en forma de légrima, me parece la más guapa de los 4 diarios españoles…Lo de Cristiano no pusieron que luego dijo que él que más le gustaba y con el que realmente estaba cómodo era Pellegrini, pero bueno, tampoco me extraña.Por cierto, pa los culés, yer dijeron en Punto Pelota que Villa es del Barsa por 30 millones+Hleb+Bojan(con opción de recompra de 15 kilos)


  3. http://www./

    Oi Lidiany, boa noite!Olha, voltamos a falar com o Eduardo, proprietário da peça e ele realmente não conseguiu identificar a autoria. Ficamos te devendo e se tivermos alguma informação no futuro, te avisaremos.Fique a vontade para perguntar, sugerir temas e curtir nossas páginas!Um forte abraço e obrigada,Rosana


  4. http://www./

    Russ and Rose Diaz – Than you for sharing these pictures with us,it was a beautiful wedding and we loved being there to share the day with you and families,you both looked so happy,Russ and I send you both our love and best wishes for a wonderful life together ,Rose and Russ Diaz


  5. http://www./

    Arashi comentou em 10 de novembro de 2011 às 19:52. Oi de novo!Agora que eu vi o vídeo e em relação aos últimos, você só usou aquele curvex, se não me engano, da Urban Decay uma vez. Fiquei super animada quando vi, mas lendo uns comentários negativos de quem comprou e o fato de você não o ter “adotado” me deixou com uma dúvida: ele é “bão” mesmo? rsObrigada!Beijo!


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