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Wie HRS Kritik zur Empfehlung macht

Feb. 1st | Von 2 Kommentare

Statt dicker Gastgeber-Verzeichnisse oder diverser Hotel-Prospekte im Briefkasten zu haben, war es irgendwann so schön einfach, hübsche Homepages mit Galerien vorab online besuchen zu können. Als dann noch die Direktbuchung dazu kam, sogar noch ein Belegungs-/Verfügbarkeitsplan, machte es noch mehr Sinn. Dann kamen die Buchungsportale – sie haben es noch komfortabler gemacht, eine kurze oder lange Reise am Reisebüro vorbei zu organisieren und all die passenden Unterkünfte inklusive Empfehlungen via Bewertungen auf einen Blick zu bekommen. Das Internet hat uns schon viele tolle Dinge gebracht.

Auch für Hoteliers haben die Portale natürlich Vorteile: deutlich mehr Aufmerksamkeit als sie über ihren eigenen Auftritt alleine generieren, professionelles Marketing, neue Zielgruppen und im Idealfall natürlich mehr Gäste. Sie zahlen dafür mit einer Kommission, die bei jeder durch ein Portal vermittelten Buchung fällig wird, treten also einen gewissen Prozentsatz des Gesamtpreises ab. So weit, so klar. Was mir neu war: Interessanterweise waren diese Prozentsätze bislang alles andere als einheitlich – nicht nur, was unterschiedliche Portale angeht, sondern auch, was die Partnerverträge eines Portals für unterschiedliche Hotels anbetrifft. Das hat die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland e.V. (die ich auch gerade „kennen gelernt“ habe) im September vergangenen Jahres für sich selbst erst heraus gefunden – durch Mitgliederbefragung und dargelegt in der Mitteilung „Preispolitik der führenden Buchungsportale wirft neue Fragen auf“ .

Nun wird der geneigte Leser feststellen: Da regen sich Menschen auf, hinterfragen und kritisieren die Preispolitik. Das alleine ist noch nicht das Spannende (wobei ich mich zur Sache mangels Tiefenkenntnis des Themas nicht äußern kann). Spannend ist, was solch ein „führendes Hotelportal“ – in diesem Fall HRS – daraus macht: HRS spricht nämlich mittlerweile davon, dass der HDV in seinem Fazit zur Umfrage eine Kommission von 15 Prozent empfehle und nimmt dies zum Anlass, die eigene zu erhöhen. Das hört sich dann so an:


Die Ergebnisse der HDV-Studie belegen, dass Buchungsportale durchschnittlich 14,85 Prozent Kommissionen verlangen und dass HRS noch immer wesentlich günstiger als viele andere Buchungsportale ist. (Kommunikation der neuen AGB – HRS-Forum)


Dass Hoteliers sich nun also nicht nur über die Kostenerhöhung sondern auch noch über die sehr krude Kommunikation aufregen (siehe auch: hotelier.de – Fragwürdiger Schachzug oder gezielte Provokation?), wundert da nicht weiter und ist sehr hübsch im extra aufgesetzten HRS-Blog zum Thema zu verfolgen. Wie überall natürlich auch hier am unterhaltsamsten in den Kommentaren.

…und dazu die Bestpreis-Garantie

Die Aufregung lässt sich vielleicht noch etwas besser verstehen, wenn die Komponente „Bestpreis-Garantie“ hinzu gezogen wird. HRS-Vertragspartner (gilt auch für andere Buchungsportale) sind per AGB an die „Bestpreis-Garantie“ gebunden. D.h. der angebotene Preis darf nicht über dem liegen, der anderswo angeboten wird – auch auf der eigenen Homepage. Hotels ist es also nicht möglich, den durch die Kommission entstehenden Verlust mit höheren Preisen in den Portalen im Vergleich zum Direktvertrieb auszugleichen. Wer also nicht insgesamt höhere Preise ansetzen will, verdient weniger. Wer höhere Preise ansetzt, bekommt weniger Gäste – denn im Preiskampf in den Buchungsportalen ist garantiert ein Nachbar günstiger. Auch die positiven Effekte, die sich durch z.B. einen auf Filter (oftmals beliebt z.B. die 50 Euro Grenze für Einzelzimmer) abgestimmten Preis ergeben, würden entfallen.

Ein Hotel kann es sich aber auch kaum noch erlauben, nicht in den entsprechenden Buchungsportalen präsent zu sein. Ich würde sogar soweit gehen: Wer dort nicht vertreten ist, findet bei potenziellen Kunden heute so gut wie nicht mehr statt.

Eine vertrackte Situation, in die das Internet das Hotelgewerbe da geführt hat…

Telefon statt Portal

Und zum Schluss dieser Feststellung, die mich heute ereilte, noch die beliebte Frage: Was kann Otto-Normal-Kunde tun? Direkt bei den Hotels buchen, wäre meine Empfehlung. Wer z.B. regelmäßig Dienstreisen antritt und das ein oder andere Lieblingshotel hat, dem er etwas gutes tun möchte, sollte einfach mal zum Telefonhörer greifen, statt aus Bequemlichkeit nur die iPad-Buchungs-App aufzurufen. Wer es moderner mag, sucht eben die Hotel-Homepage und schreibt eine Mail.


2 Kommentare Kommentar abgeben

  1. Claudia

    Der Tip, selbst zum Telefonhörer zu greifen und persönlich zu reservieren ist vielleicht nicht mehr ganz up to date, aber sicher die beste Variante das Hotel sicher und zum vereinbarten Preis zu bekommen.
    So kann es nicht passieren, dass wir trotz einer „Verbindlichen Bestätigung der erfolgten Reservierung“ von HRS in Caracal beim Hotel standen, und niemand von unsere Reservierung wusste. Das Hotelpersonal hat uns glaubhaft bestätigt, dass sie bei keiner Plattform gelistet sind.
    Darauf bei unserer Rückkehr angesprochen (angeschrieben) hat von HRS niemand reagiert. Auch diverse TEl. Nr. in Wien waren nicht erreichbar.
    Ich kann nur dringend abraten über HRS zu buchen.


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