In diesen Minuten, Stunden und Tagen wird jede Menge Sinnvolles über Steve Jobs geschrieben – Würdigung seiner Innovationskraft, seines inneren Kompasses, die Stanford-Rede. Es gibt aber noch eine naive, und sehr egoistische Lesart des heutigen Tages: der Weihnachtsmann ist gestorben.
Die universelle Kraft von Weihnachten liegt im Wunder. In der Kindheit ist dies weniger ein mystisches Wunder denn ein materielles – von irgendwo her kommen Geschenke, die man sich dringend gewünscht hat, andere die einen überraschen und deren Nutzen man sich erst erarbeiten muss, und auch einige über die man sich ärgert oder die man unnütz findet. Spätestens in der Pubertät löst sich dieses Wunder nachhaltig – und mindestens bis zur ersten Liebe unwiderruflich - in schieren Materialismus auf.

In diese Lücke traten die Keynotes von Apple für mich und viele meiner Generation (*1970+). Man wartet auf einen großen Tag, konnte spekulieren, was es geben würde. Man hat sich gemeinsam versammelt – nicht mehr vor dem Weihnachtsbaum, sondern hinter einer Riege von MacBooks auf denen man Live-Blogs oder, bestenfalls, dem Live-Stream folgen konnte. Paket für Paket wurde von Steve ausgepackt, im Falle des ersten MacBook Air ganz materiell und physisch. Gerade das Warten – auf die Keynote, auf die Produkte selbst, die oft nicht direkt erhältlich waren – führte in unserer “alles direkt und sofort verfügbar” Gesellschaft eine sehr analoge, anachronistische Note der Ungeduld und Sehnsucht ein.
Heute ist ein Stück Lebensqualität gestorben – Keynotes mit Steve haben das Leben vieler Menschen stärker strukturiert als die ehemals so wichtigen christlichen Feiertage. Man kann dies anprangern, es ändert nichts an der Tatsache an sich. Natürlich kann man hoffen, dass seine Nachfolger den Spirit noch lange am Leben erhalten werden, aber machen wir uns nichts vor:
Heute ist, zum zweiten mal in unserem Leben, der Weihnachtsmann von uns gegangen.
In diesen Minuten, Stunden und Tagen wird jede Menge Sinnvolles über Steve Jobs geschrieben – Würdigung seiner Innovationskraft, seines inneren Kompasses, die Stanford-Rede. Es gibt aber noch eine naive, und...